Seit ich nur irgendwie zurückdenken kann, wollte ich schon immer alles richtig machen. Ich musste es jedem recht machen, doch nicht nur den anderen, vor allem mir selbst.

Nicht selten im Gegenteil, sehr oft kommt es vor, dass ich mich selbst dabei erwische, wie ich etwas kritisiere. Egal ob es bloß banale, alltägliche Dinge sind, wie das herablassen der Outfitwahl fremder Menschen oder das nörgeln über die latschigen Pommes, die ich bestellt habe. Ich finde mich jeden Tag zu oft in solchen Situationen wieder und bin mir dessen nicht einmal bewusst gewesen.

Diese ständige Kritik und Suche nach Fehlern, die es zu beseitigen gibt, hat sich während meines ganzen Lebens schon in mir manifestiert. Ich bin ein von Grund auf kritischer Mensch geworden, der an so gut wie allem etwas auszusetzten findet. Es war mir zwar schon früher bewusst, dass ich hohe Ansprüche in so ziemlich allen Lebenslagen habe. Allerdings wird einem das nie wirklich bewusst bis man sich mal selbst dabei beobachtet.

Ich würde mich als einen Perfektionisten bezeichnen. Tatsächlich habe ich das nie als ein Problem gesehen. Im Gegenteil, ich dachte ich wäre so auf dem richtigen Weg. Schließlich wollte ich immer den größten Nutzen aus allem ziehen. Jede Entscheidung, die getroffen wurde, musste sehr lange und gut durchdacht werden, um möglichst jedes Risiko zu vermeiden die falsche Entscheidung zu treffen.

Die Entscheidungen mussten mir schließlich den größten Wert generieren. Ich musste immer das Beste habe, das Beste geben und die Beste sein. Das Leben steckt jedoch voller Entscheidungen, die täglich getroffen werden müssen. Und wenn man sich bei jeder kleinsten Entscheidung schon den Kopf zerbricht, führt dies zu einem ungesunden Muster.

Ich würde jetzt nicht von Stolz sprechen wollen, aber ich hatte an meinen Hang zur Perfektion nie etwas auszusetzen. Die hohen Ansprüche, die ich anderen und vor allem mir selbst setzte waren mir sehr wohl bewusst. Ich identifizierte mich damit und lebte danach mit dem Glauben so glücklich zu werden.

Optimieren war funktionieren. Die Perfektion alles zu kontrollieren.

Ich bezeichne mich gerne als Realisten, der meint die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Weshalb ich auch kritisch an Dinge herangehe und immer und überall etwas finde, dass man hätte besser machen können. Ich dachte, wenn ich alles in meinem Leben optimiere, wenn alles perfekt ist, dann werde ich wirklich glücklich. Die Realität, der ich nachschwärmte, war mir allerdings so fremd wie nie zuvor.

Perfektion ist die neurotische Widerwilligkeit die Realität zu akzeptieren

Ich glaube manchmal brauchen Dinge Zeit bis sie uns wirklich bewusst werden. Bis uns klar wird was sie mit uns anrichten. Mein Drang, die Welt ständig mit einem kritischen Auge zu betrachten, lies mich den tatsächlichen Kern übersehen. Es hat lange gedauert bis ich gemerkt habe, dass mein chronisches Denkmuster und der kritische Filter, durch den ich die Welt sah, der größten Kritik bedarf.

Dadurch war ich einem ständigen Druck ausgeliefert, der mir die Energie raubte mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren. Meine Ziele und Träume blieben auf der Strecke. Es führte zur Prokrastination und Zweifel an mir selbst. Kritik wurde zu Hass. Hass auf die Welt. Eine Welt, in die ich nicht hineinpasste. Ich wollte ständig alles so perfekt wie nur irgendwie möglich machen, so wurde aus dem Hass auf die Welt immer mehr der Hass auf mich selbst.

Die Kunst der Akzeptanz

Es war schwer zu lernen die Dinge zu akzeptieren, wie sie nun mal sind und sich nicht sofort den Kopf zu zerbrechen, wenn etwas mal nicht so lief, wie es geplant war. Auch heute erwische ich mich noch dabei, wie ich mir zu hohe Standards setzte und mich verurteilen, wenn ich es nicht schaffe ihnen gerecht zu werden.

Art is not done in the seek of perfection.
Art is done in joy of creation.

Ich glaube der erste Schritt, sich aus dieser Misere zu lösen, ist es zu realisieren, wie kritisch man wirklich ist und vor allem was diese Kritik mit einem anrichtet. Wenn du dir das mal vor Augen hältst, wirst du erst richtig merken wie oft du eigentlich im Alltag Kritik ausübst.

Sogar die irrelevanten und kleinen Dinge, wie das bloße kritisieren einer Kaufentscheidung, die man hätte besser treffen können, machen schon einen gewaltigen Unterschied. Es führt zu einer ständigen Suche nach dem perfekten Leben. Alles wird ständig in Frage gestellt. Der Partner, der vielleicht doch nicht der Richtige ist. Das Auto, welches doch nicht das schnellste und neueste Modell ist. Der Job, der vielleicht doch nicht der Passende ist.

Lebe das Leben zu leben, für das was es wirklich ist.

Der Schlüssel ist es sein Leben nicht mehr auf solche Entscheidungen beruhen zu lassen. Entscheidungen, die man ständig hinterfragt, weil man Angst hat sie falsch getroffen zu haben. Sondern einfach mal im Moment zu stehen, zu leben, zu lachen. Nicht Fragen, einfach machen.

Der Sinn des Lebens ist Leben, wie Casper schon gesagt hat. Das wars!