Angetrieben von Angst und Erfolg

Lauf Forest lauf!  – diese Worte bekommt nicht nur Forest Gump zu hören, sondern die innere Stimme vieler Menschen scheint das gleiche zu rufen. Ja gar zu schreien, wenn es nach mir gehen würde. Wir laufen und laufen, setzen nie ab. Merken aber nicht, dass wir bloß auf der Stelle treten und nicht vom Fleck kommen. Jeden Tag sieht man auf Social-Media-Kanälen, wie sich jeder in Szene rückt und nur von seiner Schokoladenseite zeigt. Man sieht produktive Menschen, erledigte To-Do-Listen, perfekte Körper und ein Leben, wie im Traum. Ein Lebensstil, den man anscheinend nur erreichen kann, wenn man 24/7 Vollgas gibt. Der „Hustle“ ist „real“ – Go hard or go home. Es scheint kein dazwischen mehr zu geben, entweder du gibt immer 100% oder du wirst nie was erreichen und erfolgreich sein.

Alles für den Erfolg

Doch was ist Erfolg überhaupt? Wie definieren wir Erfolg? Muss es den immer viel Geld und Ansehen sein. Müssen wir Erfolg den immer so definieren, wie die Norm es anscheinend vorschreibt? Glück definiert sich nicht über Erfolg und Erfolg ist nicht das, was wie in unserer verzerrten Social-Media-Welt sehen. Jeder zeigt nur die schönen Abschnitte seines Lebens. Die Tiefen bleiben stets verborgen, denn keiner will Schwächen sehen. Keiner will verwundbar sein. Die Höhen sind das was zählt. Auch wenn es nur kleine Höhen im Leben sind oder alles bloß inszeniert ist, alles ist besser als Schwäche zeigen.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der ständiges Vergleichen mit anderen zur Tagesordnung zu gehören scheint. Durch ständige Selbstinszenierung sind wir angetrieben uns immer von der besten Seite zu zeigen, das Meiste zu leisten und den „Erfolg“, den wir dadurch erreichen, jedem schön unter die Nase zu reiben. Denn nur der Bessere siegt, der Bessere wird erfolgreich und glücklich sein und seine Ziele erreichen. Niemand, der nur auf seiner faulen Haut sitzt, wird es im Leben zu etwas bringen. Pausen sind nur verschwendete Zeit, die wir nicht für unsere Selbstverwirklichung und Ziele nutzen. Doch jeder, der nicht mal auf die Bremse drückt, wird früher oder später einknicken.

Der Strudel, der kein Ende nimmt

Es gibt keine Spitze, kein Ende. Erfolg ist nicht das Ende. Zufriedenheit gibt es unter „erfolgreichen“ Menschen nicht. Wer zufrieden ist gibt auf, lehnt sich zurück und genießt, dass was er erreicht hat. Man kann auch noch so viel erreichen, der Druck bleibt immer bestehen. Selbst auf der Spitze wird immer noch nach rechts und links geschaut, um zu sehen, ob es doch jemanden gibt der mehr erreicht hat als man selbst. Es gleicht einem Strudel ohne Ende, ohne Ausweg. Ein endloses Wettrennen, ohne jemals auf die Bremse zu drücken.

 

„Zufriedenheit ist ein unkreatives Lebensgefühl“

 

Wir sind angetrieben. Angetrieben von Angst. Unsere innere Stimme schreit uns an, zeigt uns auf was wir noch alles erreichen wollen und was wir alles verlieren, wenn wir jetzt absetzen, aufgeben und alles einfach mal liegen lassen. Im inneren haben wir alle bloß einen Wunsch nach Sicherheit. Dieses Sicherheitsbedürfnis schert jedoch Angst. Obwohl wir in einer der sichersten Länder der Welt leben und es uns an nichts fehlen sollte, ist dieses Gefühl keinen sicheren Boden zu haben ständig präsent. Tief in uns befindet sich immer dieses Bedürfnis nach Sicherheit, dass uns antreibt weiter zu machen.

Work smart not hard

Ständig beschäftigt zu sein und immer etwas zu tun zu haben, hat absolut gar nichts mit Produktivität zu tun. Wenn man schon fast eine kleine Panikattacke bekommt, weil man mal an einen freien Tag nicht alles komplett durchgeplant hat, um so viel wie möglich erledigt zu bekommen, sollte man sich langsam Gedanken machen. Unser Hirn und Körper brauchen auch mal Ruhe, um in produktiven Zeiten auch richtig und funktionstüchtig arbeiten zu können. Leute, die behaupten sie bräuchten nur 5 Stunden Schlaf, beunruhigen mich, den früher oder später wird sich Schlafmangel und zu wenig Ruhe bemerkbar machen.

Schaue ich in meine Kindheit zurück, scheint mir so ein Bild gar fremd. Man hat sich noch keine Gedanken darüber gemacht, ob das, was man gerade macht einen im Leben weiterbringen wird. Produktivität war ein abstraktes Wort, welches wahrscheinlich damals nicht mal in unserem Sprachgebrauch präsent war. Man hat einfach gemacht, nicht nachgedacht, einfach hineingelebt ohne nach links und rechts zu schauen. Kein Vergleich, kein „Hustle“ einfach das gemacht, was sich im Moment richtig angefühlt hat. Wahrscheinlich würde es keinem Schaden dem Kind in sich mehr Spielraum zu geben.