sos balkanroute

bewerbung 2026

motivationsschreiben

wieso? weshalb? warum?

Meine Reise beginnt genau hier.

Nach fast dreißig Jahren des Zögerns, der Scham, vielleicht der Angst, beginne ich, mich meiner Herkunft zu stellen. Die Sprache zu lernen. Herkunft, nicht als etwas Ortsgebundenes, nicht als Heimat, sondern als eine Erinnerung, die nicht mir gehört.

Ursprungsort dieser Reise ist mein Buchprojekt ›post-post-jugo‹, welches als Vorbereitung für mein Diplom an der Universität für angewandte Kunst entstand. Aufgewachsen als Halb-Bosnierin in Österreich, zeichne ich nicht nur die Karte meiner Herkunft. Ich versuche die Bruchlinien zwischen Identität und Herkunft zu schließen.

Genau diese Bruchlinien machen deutlich, warum es eine menschliche Asylpolitik braucht. Als jemand, deren Identität tief mit der Geschichte Bosnien-Herzegowinas verbunden ist, weiß ich, wie elementar internationale Solidarität und Schutz vor Gewalt sind. Eine menschliche Asylpolitik darf kein Privileg Einzelner sein, sondern muss eine fundamentale Verpflichtung im Hier und Jetzt sein.

Als frisches Mitglied der Western Balkans Initiative des International Institute for Peace (IIP), beschäftige ich mich aktuell auf der friedens- und europapolitischen Ebene mit der Region. Die intensive Auseinandersetzung über die Geschichte sowie die aktuellen Geschehnisse ermöglicht es mir, die Eindrücke der Reise nicht nur emotional-künstlerisch, sondern auch politisch einzuordnen.

Für diese Arbeit wird mir die Reise einen erheblichen Mehrwert schenken. Meine dadurch gesammelten Erfahrungen und Eindrücke stellen das entscheidende Bindeglied für die visuelle und textliche Aufarbeitung meines Projektes dar.

Zivilgesellschaftliche Arbeit, wie die Nothilfe vor Ort und die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen, sind essenziell. Gerade dort, wo staatliche Institutionen scheitern oder wegsehen. Meine Reise bewegt sich genau auf dem Minenfeld dieser Grenzerfahrungen.

Ich möchte mit dieser Reise nicht nur meine Identität festigen, sondern auch den zahlreichen namenlosen Opfern ihre zurückgeben und sichtbar machen. Es ist die Route, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Denn die Vergangenheit Bosnien-Herzegovinas lebt unmittelbar in der Gegenwart weiter.

abstract

was soll dabei rauskommen?

Meine Reise geht weiter.

Im Rahmen meines aktuellen Buchprojekts ›post-post-jugo‹, beschäftige ich mich mit Herkunft, Erinnerung und postjugoslawischer Identität aus Perspektive der zweiten Generation. Der Ausgangspunkt ist meine eigene Geschichte, die sich eher geerbt als erlebt anfühlt.

Das Projekt entstand im Zuge meines Studiums an der Angewandten, als Vorbereitung für mein Diplom.

Mein geplantes Projekt fungiert als direkte Weiterführung meines Buches ›post-post-jugo‹. Als multimediale, essayistische Aufarbeitung der Studienreise, die als Kernstück in meine finale Diplomarbeit einfließt.

Medien & Format:

Das Buch (Text & Bild):
Mehrteilige, literarisch-politische Essays, die mit visuellen Eindrücken der Reise verbunden werden

Audio-visuelle Ebene (›objects of memory‹):
Symbolische Objekte und materielle Relikte der Reise sowie Field Recordings als Tonlandschaften machen die Räume und Atmosphären vor Ort akustisch erfahrbar.

Veröffentlichung:

Ein essayistischer Beitrag für eine Veröffentlichung im progress-Magazin der ÖH.

Eine Raum- und Soundinstallation (Kombination aus dem Buchprojekt, den physischen ›objects of memory‹ und der audiovisuellen Ebene) wird im Rahmen meiner finalen Diplomausstellung an der Angewandten präsentiert.

Zeitrahmen:

September – Oktober 2026:
Intensive Materialsammlung (Texte, Audio-Aufnahmen, Fotos, Materialsichtung) während und nach der Studienreise

Oktober 2026 – Februar 2027:
Strukturierung des Materials, Textredaktion des Essays, Fertigstellung des Beitrags für das progress-Magazin.

2027:
Ausarbeitung der audiovisuellen Installation und der Objekt-Präsentation im Zuge des Diplom-Seminars an der Angewandten. Finale Präsentation der Diplomarbeit im Rahmen der Diplomausstellung sowie die Buchpublikation.